Medienecho

Landschaft als Erfindung

Abstraktion wird gemeinhin definiert als Abstraktion vom Gegenstand. Die Bilder, die Almina Pongratz in der Neuen Galerie des Kunstvereins zeigt, kehren die theoretisch gefestigte Reihenfolge um. Und das scheint auf Anhieb viel einleuchtender: Die Abtsraktin schafft in Ihren Bildern Assoziationsräume für die Vorstellung von Landschaft, ohne ein konkretes Abbild vorauszusetzen. Schien die Malerei von Almina Pongratz Anfang der 90-er Jahre noch unter dem Eindruck Modiglianis mit figürlichen Motiven befasst zu sein, ist davon in den neueren Bildern nichts mehr zu spüren. Sie entstehen aus dem Gestus des Informell in einer stark bewegten Malweise, mit reliefartig aufgerissenen Oberflächen. Anders als das Informell, das schließlich im Action Painting zu immer größeren Formaten tendierte, arbeitet Almina Pongratz lieber im kleinen Format, das eine weitergehende Differenzierung der Oberflächenstruktur bis zur Miniatur erlaubt und ihrer Vorliebe für serielle Bilderordnung entgegenkommt. Landschaft als Motiv: das scheint vertraut, weil es weitläufige Anspielungshorizonte vom Genre bis zum Panorama wachruft. Almina Pongratz entgeht dem Dilemma, indem sie den elementaren Ereignissen von Landschaft, der Erde, der Luft, dem Wasser, eine expressive Farbensprache erfindet, die fremd und vertraut zugleich erscheint. In dieser elementaren und damit auch abstrakten Landschaft wird, wie schon Caspar David Friedrich entdeckt hat, die Horizontlinie zum fundamentalen Ordnungsprinzip, wenn sie in den Bildern auf- und abwandert. Im Zusammenhang der zugleich weiträumigen und kleinteiligen Bildkomposition, in deren unorthodoxder Mischung aus malerischen und graphischen Techniken, sind selbst Häuser und Menschen, obwohl konkret gar nicht vorhanden, ohne weiteres malerisch identifizierbar. Das Informell erweist sich in den Bildern von Almina Pongratz als extrem dialogfähige Malerei, die das Vorstellungsvermögen des Beschauers freisetzt. Abstraktion tritt nicht mehr als intellektueller Gegensatz zur Einfühlung in die Bilder auf, sondern sie ist die Einfühlung selbst.

Kurt Jauslin, Erlanger Nachrichten 4.6.2003
Ausstellung im Kunstverein Erlangen

Farberuptionen zwischen Himmel und Erde

Einfach nur mit “Landschaften” ist das Motto der Ausstellung von Almina Pongratz in der Galerie Artistikum überschrieben. Es sind die Werke, die die Künstlerin aus dem ehemaligen Jugoslawien im Jahr 2007 kreiert hat. Sie tragen keine Titel. Denn Frau Pongratz, die an der Kunstakademie in Sarajevo studiert hat, möchte die Assoziationen der Betrachter nicht durch Vorgaben beeinflussen. Ihre Bilder ziehen durch ihre intensiven Farben ohnehin in den Bann. Schreiendes Rot-, strahlendes Gelb, extravagantes Lila oder erfrischendes Türkis - das sind die Farben, in denen ihre mutigen Werke daher kommen. Welche Landschaften sie darstellen? Das weiß die in Fürth lebende Künstlerin selbst nicht. Sie malt, wie sie sagt, nicht nach einem Konzept,sondern spontan und sehr expressiv. Nie konzentriert sich die 4i-jährige nur auf ein Bild, sondern malt immer an mehreren gleichzeitig. Dabei liebt sie es, mit der Spannung zwischen verschiedenen Materialien zu spielen.Seide, Holzstäbchen oder Spachtelmasse verarbeitet sie in ihren Arbeiten. Was wie aus einem Guss aussieht, ist in wochen- und monatelanger Arbeit, durch anfangs wildes Aufltragen und anschließendes Reduzieren entstanden. Almina Pongratz malt solange an einem Werk bis es ist, wie es sein soll. ,,Oben Himmel, unten Erde und dazwischen auch noch was", so umschreibt sie ganz kurz ihre ,,Landschaften", die immer hell und farbintensiv sind. Denn was ihr hier in Deutschland, wo sie seit 1992 lebt, fehlt, ist das Licht. Darum braucht sie die Farbe so sehr. Und wenn ein Werk fertig ist, erkennt Frau Pongratz- anschließend auch manchmal, an welche konkrete Landschaft sie das erinnert. Neben den Bildern sind in der Galerie Artistikum auch Skulpturen zu sehen, die sehr verspielt sind. Bei deren Entstehung, sagt Frau Pongratz, könne sie prima entspannen.

Claudia Bindner-Wunder Ausstellung Galerie Artistikum

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